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Der Weg ist das Ziel

von Arthur Thömmes

Wir alle gehen unseren Weg. Jeder Mensch geht seinen eigenen, höchst persönlichen Weg. Ich mache viele Erfahrungen auf meinem Lebensweg. Ich blicke nach vorne und schaue zurück. Und ab und zu verweile ich im Augenblick. Aber ständig ist meine Leben eine Wanderschaft.

Viele Wege sind gut gepflastert, es macht Spaß, unterwegs zu sein. Ich genieße das Leben, die Natur und die Gemeinschaft mit anderen Menschen. Die Partnerschaft, die Familie, der Beruf ‑ alles stimmt. Ich verspüre Freude am Leben.

Doch dann kommen die Tage, die die Wanderschaft fast unerträglich machen. Regen und Schnee, Sturm und Gewitter erschweren das Gehen. Und auch das Pflaster, auf dem ich mich bewege, ist uneben und verleitet zum Stolpern. Die Partnerschaft ist in der Krise. Die Kinder gehen eigene Wege, die nicht meinen Vorstellungen entsprechen. Der Beruf macht keine Freude, nur Ärger und Frust. Mein Verhalten gegenüber der Umwelt wird aggressiv. Alle sind gegen mich.

Ich gehe meinen Weg. Und: der Weg ist das Ziel. So wäre es richtig. Doch ich lebe zu oft zu sehr in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Oft hetze ich durch das Leben, immer wieder ein neues Ziel vor Augen. Das Ziel, wann und wie werde ich es erreichen? Immer nur das Ziel. Ich hetze durch das Leben und verliere das Wesentliche aus den Augen. Oder die Vergangenheit belastet mich, ich kann sie nicht abschütteln. Sie hängt an mir wie eine schwere Bürde. Wie werde ich sie nur los?

Der Weg ist das Ziel. Nicht das, was gestern war, ist heute wichtig. Nicht das, was morgen sein wird, ist heute wichtig.

Der Weg ist das Ziel. Wichtig ist allein der Augenblick, das hier und jetzt, in der Erfahrung der Vergangenheit und mit der Hoffnung der Zukunft. Wichtig ist, dass ich ruhig und gelassen durch die Tage schreite, um bewusst meine Zeit zu leben. Bewusst leben heißt: mich auseinandersetzen mit den Erfahrungen meines Lebens. Denn jeder Tag, den ich lebe, ist ein Geschenk. Und die Stunden des Lebens sind nicht dazu da, sie zu vertreiben, sondern sie auszukosten. Und so lerne ich vielleicht auch, die kleinen und oft doch so wichtigen Dinge des Lebens zu schätzen: eine Geste, ein Blick, eine Hand, ein Wort, eine Träne, ein Lächeln,...

Der Weg ist das Ziel. Ich gehe gemeinsam mit anderen Menschen. Wir begegnen uns, lernen uns kennen, werden uns wichtig, gehen zusammen ein Stück des Weges und gehen vielleicht wieder auseinander, um neuen Menschen zu begegnen. Denn: kein Weg ist zu weit mit einem Freund an der Seite. Und so lerne ich, von mir selbst abzusehen, mich ständig um mich selbst zu drehen, als sei ich der Mittelpunkt der Welt und des Lebens. Der große Bischof Helder Camara sagte einmal: Aufbrechen heißt nicht, Kilometer fressen, Meere überqueren oder Überschallgeschwindigkeiten erreichen. Es heißt vor allem, sich den anderen öffnen, sie entdecken, sich mit ihnen zu begegnen...“

Und ich gehe diesen Weg mit mir. Ich bin ich, und mit mir muss ich mein ganzes Leben verbringen. Für jeden Schritt, den ich gehe, bin ich verantwortlich. Ich muss zu mir selbst stehen und meinen Weg mit ganzem Herzen gehen, damit meine Sehnsucht nach einem glücklichen Leben verwirklicht wird. Nur so wird der Weg selbst zum Ziel.

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Abdruck bitte mit Quellenangabe:

© Arthur Thömmes, www.fundgrube-religionsunterricht.de


 

 

 
 
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