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Trotzdem

von Arthur Thömmes

Ist es heute noch sinnvoll, gut zu sein, sich anderen Menschen selbstlos zuzuwenden und zu helfen? Beispiele des Wegschauens werden uns täglich von den Medien präsentiert. Warum sind Verantwortung, Mitgefühl, Anteilnahme, Solidarität und Hilfsbereitschaft so selten geworden? Manche behaupten, es liege an der Verlagerung der Werte in unserer Gesellschaft. Die Konsumorientierung habe die Menschen zu eigennützigen Egozentrikern gemacht, die nur noch sich selbst und ihre eigenen Interessen kennen. Wenn ich selbst die wichtigste Person in meinem Leben bin und es mir gut gehen muss, dann bringt das Einmischen nur Nachteile. Und dann heißt die Devise: mit den Ellenbogen durch die Welt gehen und sich nehmen, was man braucht – ohne Rücksicht auf Opfer. Die politischen Skandale der letzten Monate haben dieses Bewusstsein verstärkt. Es darf gelogen werden. Unwahrheit wird zum Kavaliersdelikt. Und das ohne einen Funken an Schuldbewusstsein. Es gilt nur das, was dem Einzelnen nützlich ist. Der Ehrliche ist letztlich nur noch der Dumme.

Ein Text von Mutter Teresa könnte Ansporn sein, über das eigene Verhalten nachzudenken:

 

„Die Leute sind unvernünftig, unlogisch und selbstbezogen,

liebe sie trotzdem.

Wenn du Gutes tust, werden sie dir egoistische Motive und Hintergedanken vorwerfen,

tue trotzdem Gutes.

Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und echte Feinde,

sei trotzdem erfolgreich.

Das Gute, das du tust, wird morgen vergessen sein,

tue trotzdem Gutes.

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar,

sei trotzdem ehrlich und offen.

Was du in jahrelanger Arbeit aufgebaut hast, kann über Nacht zerstört werden,

baue trotzdem.

Deine Hilfe wird wirklich gebraucht, aber die Leute greifen dich vielleicht an,

wenn du ihnen hilfst,

hilf ihnen trotzdem.

Gib der Welt dein Bestes, und sie schlagen dir die Zähne ein,

gib der Welt trotzdem dein Bestes.“

Was passiert mit mir, wenn ich diese Gedanken ernst nehme? Die Fastenzeit ist eine Zeit des Nachdenkens und der Selbstbesinnung. Sie will etwas in Bewegung bringen. Mir den Spiegel vorhalten und mein wahres Gesicht sehen – das ist nicht einfach. Ich könnte erschrecken, wenn ich meine Schwächen offen betrachte und gute Seiten neu entdecke. Wer sich selbst kritisch beobachtet, findet Schritt für Schritt zu sich selbst. Und wer sich selbst findet, findet auch wieder zu den anderen. Denn wer keine Verantwortung für sein eigenes Leben übernimmt, kann das auch nicht für das Leben anderer Menschen. Die Erkenntnisse aus der Selbstreflexion kann ich für mein Handeln in dieser Welt fruchtbar machen.

Lebensfreude entsteht nicht da, wo wir anderen Menschen das Leben schwer machen und uns an deren Unglück erfreuen. Die Freude am Leben wächst, wo wir anderen und uns selbst das Leben etwas leichter machen. Und da sind es oft die kleinen alltäglichen Dinge, die wahre Wunder wirken: die Nähe zu einem Menschen, ein gutes Wort, Gesprächsbereitschaft, die helfende Hand, der tröstende Blick, das aufmunternde Lächeln, der freundliche Gruß, ... Dabei haben Vorbilder (die guten und die schlechten) eine ganz entscheidende Bedeutung für die Zukunft des Wertebewusstseins in unserer Gesellschaft.

Wir sollten uns als Christen immer wieder bewusst machen, dass  man uns an unseren Taten misst und nicht an unseren großen Worten. Ich setze Zeichen, indem ich zunächst versuche, mich selbst zu ändern. Und damit kann ich jederzeit beginnen - am besten sofort. Trotzdem!

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Abdruck bitte mit Quellenangabe:

© Arthur Thömmes, www.fundgrube-religionsunterricht.de


 

 

 
 
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