Täglich werden im Fernsehen eine Vielzahl von Talkshows ausgestrahlt. Fast alle laufen nach dem gleichen Muster ab: Der Moderator unterhält sich mit Talkgästen über ein vorgegebenes Thema. Häufig handelt es sich um sehr banale Gesprächsstoffe (»Jeder Hund beißt mich.«. »Ich bin der Größte!«), gelegentlich geht es auch um sehr existentielle Erfahrungen (»Ich habe Angst vor dem Tod«, »Ich sehe keinen Sinn mehr im Leben«). Ein Experte steht als Ratgeber zur Vertilgung. Das Publikum hat in den meisten Sendungen lediglich die Aufgabe, in entsprechenden Situationen zu klatschen, zu pfeifen oder das Gesagte zu kommentieren. Vor der Sendung wird es von einem Einheizer auf die Sendung eingestimmt. Eine Show, die vor allem der Unterhaltung dient, gelegentlich auch zur Wissenserweiterung und Aufklärung beiträgt. Die Methode lässt sich als Rollenspiel gut im Religionsunterricht einsetzen.
Ablauf
• Nachdem das Thema feststeht, werden die verschiedenen Rollen festgelegt und verteilt (Talkmaster, Talkgäste, Anheizer und Experte).
• In Kleingruppen werden die Rollen und die mit ihr verbundenen Umstände und Lebenserfahrungen festgelegt.
• Der Talkmaster geht von Gruppe zu Gruppe und sammelt die Informationen, die er als Leiter der Sendung braucht. Er ist der einzige Teilnehmer der Show, der über alles Bescheid weiß.
Eine Gruppe sorgt für die Rahmenbedingungen (In welchem Raum wird gespielt? Welche Klassen werden als Publikum eingeladen? Wie wird der Raum gestaltet? Welche Requisiten werden benötigt?) Ein Regisseur kann die Produktion koordinieren und die Kommunikation zwischen den Vorbereitungsgruppen herstellen.
Vor der endgültigen Aufführung wird der Ablauf der Talkshow in einer Art Drehbuch festgelegt. Die Talkshow kann beginnen ...
Hinweise
Ein zeitlicher Rahmen (etwa 45 Minuten) sollte vor der Aufführung festgelegt werden. Noch spannender wird das Rollenspiel, wenn die Talkshow mit einer Kamera aufgezeichnet und so eine Studioatmosphäre erzeugt wird. Es ist sinnvoll, vor dem Einsatz der Methode das Phänomen der Talkshows im Unterricht zu behandeln. Dazu können Sendungen aufgezeichnet und unter verschiedenen Gesichtspunkten besprochen werden (Geht es dabei um Schicksalsvermarktung, Anteilnahme, Seelsorge, Lebenshilfe oder ist alles nur eine Unterhaltungsshow? Warum verhandeln Menschen öffentlich ihr Leben und die intimsten Probleme? Warum sehen sich Menschen diese Sendungen an?).
(aus: Franz W. Niehl/Arthur Thömmes: 212 Methoden für den Religionsunterricht. Kösel Verlag, München 2008)